




Das eigene Kaliber einschätzen zu lernen
Es sind konkrete Lebensgeschichten, die uns in die Lage versetzen, eine vergangene Gesellschaft mit ihren vielen Lebenswelten besser zu verstehen. Die Erinnerungen des Außenhändlers Dietrich Lemke bilden den Anfang einer biografischen Reihe, in der es um die Angehörigen der DDR-Funktionselite geht, um diejenigen, die dafür sorgten, dass der Staat nach innen und außen hin funktionierte.
Lemkes Lebensbericht und die in der Reihe folgenden Lebensgeschichten beruhen auf narrativen Interviews, in denen sich Führungskräfte und Experten der „zweiten Reihe“ an Stationen, Begegnungen und Entscheidungen in ihrem Leben erinnern. Sie erzählen von sich und versuchen zu erklären, warum sie sich – mitunter wider besseres Wissens – an verordnete Verhaltensspielregeln hielten. Der Vergleich der Lebensberichte im selben Land, zur selben Zeit, an unterschiedlichen Orten ist vielversprechend, offenbart „Muster“ und ermöglicht den Blick in eine inzwischen verschüttete Vergangenheit.